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Die Daten dieser Veranstaltung klingen schon sehr beeindruckend 4. Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon in Radebeul Streckenlänge: 84,390 km Höhenunterschied: + 8848 m, -8848m Stufen: 39700 aufwärts, 39700 abwärts, gesamt 79400 Stufen Zeitlimit: 24 Stunden Wie alles Begann Irgendwann Anfang 2008 habe ich ein
Mail von meinem Lauffreund Uli Etzrodt bekommen. Im Anhang fand sich die
Ausschreibung dieser Veranstaltung. Ich schaute direkt auf der Internetseite
des Veranstalters und war beeindruckt. Nach kurzem Überlegen meldete ich mich an, nicht ahnend was die Daten dieser Veranstaltung überhaupt bedeuten. Auf meine Nachfrage bei Uli ob er denn auch dort läuft habe ich nie eine Antwort bekommen. Uli hat zwar immer auf meine Mails geantwortet aber diese Frage hartnäckig ignoriert:-) Ich konnte noch meinen Lauffreund Kurt
aus Ulm zu diesem Unternehmen überreden.
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Die Vorbereitung Wie Trainiert man so einen Wahnsinn, 40.000 Treppen rauf und
40.000 Treppen wieder runter? Ja, wie eigentlich? Ich machte mich auf die Suche nach einer passenden Location.
Nirgends habe ich aber nur annähernd eine Treppe gefunden die in etwa 400
Stufen hat. Ich fragte in Frankfurt beim Rhein-Main Tower nach und bekam eine
Absage, da man dort nur unter Aufsicht der Hauseigenen Security ins Treppenhaus
darf. Irgendwann ist mir dann die FH Darmstadt ins Auge gefallen. Sie ist mit 14 Stockwerken das höchste Gebäude in Darmstadt. Noch dazu ein öffentliches Gebäude das jedem offen steht. Mit dem Zwischengeschoss kommt es auf 15 Stockwerke mit insgesamt 327 Stufen. In Radebeul sind es 397 Stufen. Also ein guter Platz um sich vorzubereiten. Da ich nicht unnötig für Aufsehen sorgen wollte bin ich freitags mittags mit Jeans und T-Shirt in das Treppenhaus. Das habe ich sechsmal gemacht und bin immer so eine bis zwei Stunden Treppen gelaufen. So zwischen 5000 und 7000 Stufen. Anreise Am Freitag den 18.04.2008 trafen wir uns um 11:00 Uhr in Würzburg mit unseren
Lauffreunden Kurt Süsser aus Ulm und Norman Bücher aus Karlsruhe. Wir haben
Würzburg gewählt ,da wir alle etwa den gleichen Anfahrtsweg hatten. Hier begann
ein unvergessliches Wochenende. Radebeul bei Dresden In Radebeul angekommen branden wir darauf endlich diese “Treppe“
zu sehen. Wir fuhren in unsere Pension und gingen dann gemeinsam zur
Spitzhaustreppe. Und was soll ich sagen, dass Teil ist riesig. So was hatte ich
noch nie gesehen! Der Blick von unten ließ erahnen was das für ein Teil ist.
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich sah Kurt an und Kurt sah mich an. Wir
verstanden uns in diesem Moment ohne ein Wort zu sprechen. Jeder wusste dass
wir zum finishen eine wahre Heldentat verbringen mußten. Da lag sie nun vor uns
die Treppe zum Gipfel des Mount Everest, in einem Gebäude wären dass wohl so 20
Stockwerke. Es kribbelte uns in den Füssen, wie lange braucht man bis hoch? Wir gingen nun die Treppe hoch, ich vorneweg, dahinter Kurt, Norman und Sabine. Wir brauchten fünfeinhalb Minuten nur für die Treppen. Das Stück Strasse oben und unten kam noch dazu. Norman machte eine ebenso einfache wie kluge Rechnung auf. Bei 12 Minuten pro Durchgang kommt man mit Pausen gut hin. |
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Treppe von unten
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Blick von oben
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Tag der Gipfelstürmer Das Rennen startet oben, wo es ein Verpflegungszelt und ein
Aufenthaltszelt gab. Im Aufenthaltszelt gab es für alle Fälle auch vier Liegen.
Um 15:00 Uhr fand im Aufenthaltszelt das Briefing statt. Hier erhielt jeder der Einzelläufer persönlich seine Startunterlagen. Hier im Zelt begrüßten wir dann Renè Strosny, Angela Nagamkam, Michael Köhres, Heinrich Dahmen, Alexandra Kilian mit ihrem Freund und Andreas Richter. |
Sabine Werle, Kurt Süsser, Norman Bücher |
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Bernie, Norman, Kurt, Heinrich |
Michael Köhres, Kurt Süsser, Renè Strosny, Bernie Conradt |
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Dann ging es zum Gruppenfoto nach draußen in eine Läuferfeindliche Wetterlage. Es regnete und war ziemlich frisch. Dieser Umstand sollte sich auch die nächsten Stunden nicht ändern. |

Start der Gipfelstürmer
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Never give up! Ich schaffte es jetzt meine Runden in 12 bis 13 Minuten zu
absolvieren. Das bedeutet ich konnte alle halbe Stunde 3 Minuten pausieren,
mich erholen, trinken und einen bissen Salamibrot essen. Vier Runden pro Stunde! Es wurde langsam hell und einige Zuschauer waren wieder an den
Wendepunkten. Ich sprach gezielt einige sympathisch aussehende Zuschauer an und
forderte sie auf mich doch jede Runde anzufeuern. Jetzt hatte ich die Strecke
in Abschnitte eingeteilt. Unten einige Zuschauer die auf meiner Seite waren, am
Wendepunkt ein Helfer vom THW, auf der Hälfte der Treppe ein weiterer THW
Helfer der mich anfeuerte und natürlich oben meine Frau und das Salamibrötchen das
puschte. Zwischen drin feuert mich Norman auf jeder Runde an. Diese kurzen
Momente verkürzen und lenkten zu gleich ab von dem ewig weiten Weg welcher noch
zurückzulegen war. Kurt war auch wieder auf der Strecke und zog langsam aber stetig
seine Runden. Norman hatte mittlerweile vier Runden Vorsprung auf mich und Kurt
war eine Runde hinter mir. Ich redete jetzt nur noch mit Sabine. Ansonsten setzte ich meine
ganze Energie in diese Verfluchten Treppen. Ich versuchte mir die Reststrecke
schön zu reden. Doch als ich dann die Höhenmeter auf den Jungfrau-Marathon
umlegte erschrak ich kurz. Denn ich hatte noch das Doppelte zurückzulegen. Jetzt wollte ich nur noch auf den Gipfel. Es ist schließlich der
Everest und nicht die Kleine Scheidegg in der Schweiz. So kämpfte ich mich
Runde um Runde meinem Ziel entgegen. Irgendwann sagte Kurt es seien immer noch 8 Stunden. Immer noch,
für mich waren es nur noch acht Stunden. Ganz schön wenig, aber ich war im
Soll. 70 Runden waren absolviert also nur noch 30 Runden. |
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30 Runden bis zum Gipfelkreuz des Mt. Everest. Wenn ich die 100
Runden schaffe wird zur Belohnung auch mein Name auf dem Gipfelkreuz stehen. Zwei Stunden später ging es langsam aber sicher Richtung
Todeszone. Ich konnte immer noch die Treppen bergab laufen. Viele quälen sich
regelrecht auf allen vieren die Stufen herunter. Hier konnte ich immer wieder
Boden gut machen und vorbeilaufen. Bergauf schaue ich nur bis zur nächsten
Stufe und schleppe mich Stück für Stück weiter. Meine Blicke schweiften schon
lange nicht mehr in der Gegend umher. Es war als hätte ich eine Bleiweste an gehabt
und einen Bollerwagen hinter mir hergezogen. Noch 5 Stunden und 16 Runden bis zu Gipfel. Ich absolviere die Runden wie in Trance und wurde immer noch jede Runde von Norman angefeuert. Auch Kurt sprach mir nun jede Runde Mut zu. Er selbst konnte es nicht mehr auf den Gipfel schaffen. Aber sein persönlicher Erfolg war es, dass er nie aufgab und trotz aller Widrigkeiten weiter an sich glaubte und Stunde um Stunde seine Runden weiterzog. Das war ganz großer Sport! |
Norman, Kurt, Bernie
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Der Gipfel ist in Sichtweite. Noch 10 Runden und ganze drei Stunden Zeit. Jetzt gab es nichts
mehr was mich von diesem Triumph abhalten konnte. Ich konnte den Gipfel
förmlich spüren. Ich erzähle jetzt jedem der es hören wollte, dass ich es schaffen
würde. Mental war ich so stark wie nie zuvor. Meine Knie und Gelenke waren in Ordnung. Die Muskeln schmerzten,
aber wenn man bedenkt wie nahe man seinem Ziel gekommen war spielte das keine
Rolle. Hier zählten nur noch die Momente bis zum härtesten Finish meines
Lebens. Die 98. Runde lief ich dann noch mal wie aufgezogen. Die 99. Runde
lief Sabine mit, sie wollte einmal die ganze Strecke ablaufen. Dann kam die 100. Runde. Sabine hängte mir die Gebetsfahnen aus
Nepal um. Diese hatte ich im Vorfeld extra besorgt, damit sie uns heil und glücklich
diesen Tag überstehen ließen. Ich bedankte mich bei den Helfern und Zuschauern.
Mehrmals hielt ich noch einmal an und unterhielt mich mit einzelnen lieb
gewonnen Menschen. Dann kam Kurt mir entgegen. Er hatte ebenfalls seine
Gebetsfahnen umhängen und wollte nach dieser Runde aufhören. Wir gingen nun zum
letzten mal gemeinsam die Stufen hoch. Auf dem Weg nach oben hörte ich den Sprecher wie er meinen Namen
sprach und die Zuschauer auffordert mir einen gebührenden Empfang zu bereiten. Das Ende der Treppe nahte und der (virtuelle) Gipfel des Mt.
Everest war erreicht. Nach 23 Stunden und 16 Minuten hatte ich als zwanzigster
die 84 km und 8848 Höhenmeter zum Everest hoch und 8848 Höhenmeter wieder
runter zurückgelegt. So viele Emotionen hatte ich bis zum heutigen Tag noch nie an
einem Stück erlebt. Es ist schade dass ich aus diesem Gefühlschaos wieder so
schnell zurück in den Alltag musste. Aber eines steht fest, dieses Erlebnis werde ich nie vergessen und
jeder der hier sein Bestes gegeben hat ist ein Sieger. Dieser Satz findet
besondere Anwendung auf meinen Freund Kurt, der 92 Runden bei einem der härtesten
Rennen der Welt zurückgelegt hat. Norman kam als Zehnter mit der hervorragenden Zeit von 21 Stunden
und 14 Minuten ins Ziel. Der Sieger Stefan Ungermann benötigte 15 Stunden und 32 Minuten.
Renè belegte am Ende den zweiten Rang mit 16 Stunden und 21 Minuten. Insgesamt schafften es 23 Männer und eine Frau zum Gipfel. Resüme eines Gipfelstürmers Was braucht man um den Mt. Everest Teppenlauf zu finishen: Erstens Willenstärke, zweitens Willenstärke, drittes Willenstärke……………und viele viele Salamibrötchen
Bernie Conradt beusa@web.de |
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