Die Daten dieser Veranstaltung klingen schon sehr beeindruckend

 

4. Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon in Radebeul

 

Streckenlänge: 84,390 km

Höhenunterschied: + 8848 m,  -8848m

Stufen: 39700 aufwärts, 39700 abwärts, gesamt 79400 Stufen

Zeitlimit: 24 Stunden

Wie alles Begann

Irgendwann Anfang 2008 habe ich ein Mail von meinem Lauffreund Uli Etzrodt bekommen. Im Anhang fand sich die Ausschreibung dieser Veranstaltung. Ich schaute direkt auf der Internetseite des Veranstalters und war beeindruckt.

Nach kurzem Überlegen meldete ich mich an, nicht ahnend was die Daten dieser Veranstaltung überhaupt bedeuten. Auf meine Nachfrage bei Uli ob er denn auch dort läuft habe ich nie eine Antwort bekommen. Uli hat zwar immer auf meine Mails geantwortet aber diese Frage hartnäckig ignoriert:-)

Ich konnte noch meinen Lauffreund Kurt aus Ulm zu diesem Unternehmen überreden.

 

So steht es in der Ausschreibung des Veranstalters:

39700 Stufen, 8848 Höhenmeter, 84390 Streckenmeter.

397 Stufen und ein Stück Straße führen durch die Weinberge der Lößnitz auf die Höhen am Spitzhaus. 88,48 m Höhenunterschied und eine Strecke von 421, 95 m sind bis zum Wendepunkt an der Ecke Am Goldenen Wagen / Hoflößnitzstraße, bevor es zurück zum Start 50 m hinter dem Ende der Treppe geht. Hier ist der obere Wendepunkt und danach wird die gleiche Strecke wieder durchlaufen.

Eine Runde sind also 88,48 m Abstieg und 88,48 m Aufstieg, sowie eine Strecke von 843,90 m.

100 mal durchlaufen ergibt das einen kompletten Aufstieg von NN bis zum Gipfel des Mt. Everest und zurück. Gleichzeitig ist es ein Doppelmarathon, denn Auf- und Abstieg zusammen ergeben 2 x 42,125 km.

Homepage des Veranstalters

Fotogalerie von Uwe Daniel

Bericht von Ron Hoffmann

Bericht von Norman Bücher

Bericht von Heinrich Dahmen

Fotogalerie vom Team

Nepalstore

 

Die Vorbereitung

Wie Trainiert man so einen Wahnsinn, 40.000 Treppen rauf und 40.000 Treppen wieder runter? Ja, wie eigentlich?

Ich machte mich auf die Suche nach einer passenden Location. Nirgends habe ich aber nur annähernd eine Treppe gefunden die in etwa 400 Stufen hat.

Ich fragte in Frankfurt beim Rhein-Main Tower nach und bekam eine Absage, da man dort nur unter Aufsicht der Hauseigenen Security ins Treppenhaus darf.

Irgendwann ist mir dann die FH Darmstadt ins Auge gefallen. Sie ist mit 14 Stockwerken das höchste Gebäude in Darmstadt. Noch dazu ein öffentliches Gebäude das jedem offen steht. Mit dem Zwischengeschoss kommt es auf 15 Stockwerke mit insgesamt 327 Stufen. In Radebeul sind es 397 Stufen. Also ein guter Platz um sich vorzubereiten. Da ich nicht unnötig für Aufsehen sorgen wollte bin ich freitags mittags mit Jeans und T-Shirt in das Treppenhaus. Das habe ich sechsmal gemacht und bin immer so eine bis zwei Stunden Treppen gelaufen. So zwischen 5000 und 7000 Stufen.

Anreise

Am Freitag den 18.04.2008 trafen wir uns  um 11:00 Uhr in Würzburg mit unseren Lauffreunden Kurt Süsser aus Ulm und Norman Bücher aus Karlsruhe. Wir haben Würzburg gewählt ,da wir alle etwa den gleichen Anfahrtsweg hatten. Hier begann ein unvergessliches Wochenende.

Radebeul bei Dresden

In Radebeul angekommen branden wir darauf endlich diese “Treppe“ zu sehen. Wir fuhren in unsere Pension und gingen dann gemeinsam zur Spitzhaustreppe. Und was soll ich sagen, dass Teil ist riesig. So was hatte ich noch nie gesehen! Der Blick von unten ließ erahnen was das für ein Teil ist. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich sah Kurt an und Kurt sah mich an. Wir verstanden uns in diesem Moment ohne ein Wort zu sprechen. Jeder wusste dass wir zum finishen eine wahre Heldentat verbringen mußten. Da lag sie nun vor uns die Treppe zum Gipfel des Mount Everest, in einem Gebäude wären dass wohl so 20 Stockwerke.

Es kribbelte uns in den Füssen, wie lange braucht man bis hoch? Wir gingen nun die Treppe hoch, ich vorneweg, dahinter Kurt, Norman und Sabine. Wir brauchten fünfeinhalb Minuten nur für die Treppen. Das Stück Strasse oben und unten kam noch dazu. Norman machte eine ebenso einfache wie kluge Rechnung auf. Bei 12 Minuten pro Durchgang kommt man mit Pausen gut hin.

Treppe von unten

Blick von oben

 

Tag der Gipfelstürmer

Das Rennen startet oben, wo es ein Verpflegungszelt und ein Aufenthaltszelt gab. Im Aufenthaltszelt gab es für alle Fälle auch vier Liegen.  

Um 15:00 Uhr fand im Aufenthaltszelt das Briefing statt. Hier erhielt jeder der Einzelläufer persönlich seine Startunterlagen. Hier im Zelt begrüßten wir dann Renè Strosny, Angela Nagamkam, Michael Köhres, Heinrich Dahmen, Alexandra Kilian  mit ihrem Freund und Andreas Richter.

Sabine Werle, Kurt Süsser, Norman Bücher

Bernie, Norman, Kurt, Heinrich

Michael Köhres, Kurt Süsser, Renè Strosny, Bernie Conradt

 

Dann ging es zum Gruppenfoto nach draußen in eine Läuferfeindliche Wetterlage. Es regnete und war ziemlich frisch. Dieser Umstand sollte sich auch die nächsten Stunden nicht ändern.

Start der Gipfelstürmer

16:00 Uhr der Startschuss fiel, endlich! Es wurde Zeit, das warten hatte ein Ende. Ich reihte mich irgendwo in der Mitte ein und hoffte beim Bergablaufen nicht überrannt zu werden.

Nach 10 Minuten und 30 Sekunden war ich wieder oben und startete in die nächste Runde. Kurt lief direkt hinter mir, Norman hatte ein langsameres Tempo eingeschlagen und kam uns auf der Treppe entgegen. Kurt und ich liefen nun wie Zwillinge gemeinsam unsere Runden. Treppe runter lief ich vor, Treppe rauf machte Kurt den Pacemaker. Wir absolvierten die Runden immer unter 11 Minuten. Am Streckenrand stand meine Frau Sabine die uns anfeuerte und immer wieder ermahnte dass wir zu schnell seien. Aber wir fühlten uns gut und so liefen wir auf Norman auf und überrundeten ihn. Wir hielten das Tempo weiter hoch, am unteren Ende der Treppen liefen wir die 150 Meter bis zum Wendepunkt bergab und wieder bergauf. Nach 10 Runden liefen wir dann schon nur noch die halbe Strecke hoch. Nach 20 Runden liefen wir das Bergaufstück nur noch an und gingen dann den Rest, zu anstrengend waren die Treppen. Man sah kaum noch Läufer die hier im Laufschritt unterwegs waren. Nur noch die Ersten liefen hier und das nach gerade mal 20 Runden. Unsere Rundenzeiten verlangsamten sich jetzt deutlich, dennoch liefen wir erneut an Norman vorbei der unablässig seine Geschwindigkeit beibehielt.

Die nächsten 10 Runden konnten wir dann im Schnitt immer so um die 11:00 Minuten absolvieren. Wir waren mittlerweile ein drittes mal auf Norman aufgelaufen und beschlossen uns jetzt im Zelt umzuziehen und eine Kleinigkeit zu essen. Die Kleidung war völlig durchgeweicht und ohne die Hilfe von Sabine hätte ich doppelt solange für das Umziehen gebraucht. Die Kleidung klebte förmlich an mir. Alles war batschnass!

Ich aß noch zwei Portionen Nudeln und nach 10 Minuten gingen Kurt und ich wieder auf die Strecke zurück. Es war mittlerweile 21:30 Uhr. 30 Runden in fünfeinhalb Stunden war ein gutes Ergebnis das für den Rest hoffen ließ.

Runde 31 und 32 ging alles seinen gewohnten gang. Kurt zog mich hoch und ich ihn runter.

Dann in der 33 Runde, es war mittlerweile dunkel und regnete immer noch, wurde es hart. Ich schaffte plötzlich die Treppen nicht mehr in einem Durchgang hoch. Kurt wartete auf mich. Erst nach längerem überreden konnte ich ihn dazu bringen ohne mich sein Tempo zu laufen. Kurt ist einfach zu gut! Ich rechne ihm das wirklich hoch an.

Ich verlor jetzt immer mehr Boden. Meine Rundenzeiten gingen auf 15 Minuten hoch. Jede Treppenstufe erforderte nun Überwindung und Willenskraft. Ich musste alle 50 Stufen anhalten und durchatmen.  Einen Läufer der sich nach meinem Wohlergehen erkundigte sagte ich nur, nichts geht mehr “Rien ne va plus“.

Ich wankte schwerfällig weiter, mein Kreislauf spielte mir das “Lied von Tod“. Kurt überrundete mich, Norman rundete sich zum zweiten mal zurück. Das Rennen stand auf der Kippe. Die äußeren Faktoren trugen ihr übriges bei. Es wollte einfach nicht aufhören zu regnen und meine Kleidung war schon wieder völlig durchnässt. Wenn man dann noch so langsam ist erzeugt der Körper nicht die nötige Energie die einen wärmt. Ich zitterte am ganzen Körper vor Kälte. Besonders schlimm waren die Bergab Passagen.

Jetzt kam auch noch Schwindel zu dem Ganzen Misst hinzu. Nahrungsaufnahme Fehlanzeige! Weder Essen noch Trinken konnte ich zu mir nehmen.

Kurt überrundete mich nun zum zweiten mal und sprach von einer Pause, er hatte auch diverse Schwierigkeiten.

Ich brauchte mittlerweile ewig für eine Runde und musste mich am Geländer hochziehen um überhaupt noch nach oben zu kommen. Ich beschloss die 50 Runden voll zu machen und mich dann auszuruhen um wieder angreifen zu können. Dann in der 47 Runden war die Anstrengung so groß das ich mich übergeben musste. Es war nicht mal der Magen sondern ein Schwindelgefühl als hätte ich eine Flasche Whisky getrunken. Ich schleppte mich halb erfroren nach oben und ging ins Zelt. Dort traf ich Angie die mir eine Liege frei räumte. Ich legte mich hin und döste kurz ein. Ein schlafen war nicht möglich, da es zu kalt war und ich keinen Schlafsack hatte der mich hätte wärmen können.

So nach einer halben Stunde als ich aufstehen wollte erkannte ich Kurt. Er sah auch nicht gut aus und erzählte mir wie schlecht es ihm ebenfalls jetzt geht. Kurt wechselte seine nassen Sachen und legte sich ebenfalls auf eine wieder frei gewordene Liege.

Ich stand auf kramte mein Handy aus meiner Tasche um Sabine anzurufen. Sabine hatte für diese Nacht noch ein Zimmer in der Pension. Es war jetzt 2:30 Uhr und ich wollte aufhören. Es hatte keinen Sinn mehr! Dieses Rennen konnte ich in dieser Verfassung nie und nimmer finishen.

Ich bat Sabine an den unteren Wendepunkt zu kommen und mich dort aufzusammeln. Ich lief also wieder die Treppen runter. Sabine war noch nicht da also lief ich sie wieder hoch. Es war zu kalt um stehen zu bleiben. Ein Helfer vom THW sage es sei nur 1°C. Wieder am Wendepunkt unten angekommen hatte ich 49 einhalb Runden absolviert und Sabine war immer noch nicht da. Also quälte ich mich noch mal die verfluchten Treppen hoch und machte mit 50 Runden den Marathon voll.

Dann endlich erkannte ich Sabine am Ende der Strecke. Mir fielen tausend Steine von der Seele. Sie fragte was denn los sei und wollte dass ich weiter laufe. Ich aber wollte nur in die Pension, ins warme und meinen geschundenen Körper Ruhe geben.

Direkt am Wendepunkt stand der Wagen. Ich stieg ein und meine sonst so liebe Frau weigerte sich auch nur einen Meter zu fahren. Auf mein fahr mich jetzt in die Pension, hörte ich nur ein knallhartes: „Nein“

Sie wollte dass ich weiter laufe. Du hast noch nie aufgegeben und stell dich nicht so an, das bisschen brechen kann dich doch wohl nicht aufhalten. Das ging so eine dreiviertel Stunde hin und her

“Wenn es leicht wäre wärest du nicht hier Bernie.“

Wir einigten uns dann, dass ich noch mal rausgehe und sie mit dem Auto an den oberen Wendepunkt kommt. Dann könnte ich dort aufhören. Ich ging die Treppen hoch und wieder runter und hatte erneut diesen verfluchten Schwindel. Ich wollte es noch bis hoch schaffen um mich dort etwas auszuruhen. Auf den letzten Treppenstufen war es mir dann so schlecht dass ich mich setzen musste und einfach in den Weinberg meinen ganzen Mageninhalt leerte. Von oben hörte ich Sabine schreien: „Steh auf und komm hoch es sind nur noch ein paar Stufen“. Als ob ich mich zum picknicken niedergelassen hätte. Derweil lief Renè Strosny vorbei und klopfte mir auf die Schulter. Er meinte wenn der Magen richtig leer gebrochen sei geht es wieder besser. Einige Sekunden später half mir Thomas Ehmke und Norman auf die Beine und die letzten Stufen hoch.

Im Zielbereich setzte ich mich auf unseren mitgebrachten Campingstuhl und ruhte mich aus. Sabine sprach mir Mut zu. Den hat es aber jetzt nicht gebraucht. Ich hatte mir überlegt da ich die 100 Runden sowieso nicht mehr schaffen kann einfach solange weiterzugehen bis das Zeitlimit von 24 Stunden erreicht sei. Ich wollte einfach gehen und schauen wie weit ich komme.

Dann kam Norman vorbei. Er zog immer noch seine Runden als sei nichts gewesen. Mein Magen beruhigte sich, ich trank warmen Tee und wollte das selbe essen wie Norman. Das konnte nicht falsch sein!

Sabine gab mir ein Salamibrot mit viel Butter. Das war also Norman`s Supertreibstoff. Keine Nudeln oder sonstiges, es war ein gewöhnliches Salamibrot. Ich aß einen kleinen Happen um meinen Magen nicht zu überfordern und ging dann wieder auf die Strecke.

Nur wenn man einen Traum hat kann man ihn auch erreichen.

17 Minuten brauchte ich für diese Runde und wusste mein Traum wird immer unerreichbarer. Am Wendepunkt setzte ich mich wieder und aß weiter an meinem Salamibrot. Ich konnte nur im sitzen essen. Auf der Strecke ging es nicht, der permanente Aufprall beim Treppen laufen und der angegriffene Magen machten das unmöglich.

Langsam erholte ich mich und mein Glauben an das Salamibrot wurde unerschütterlich, zumal Norman weiter ohne sichtbare Anstrengung seine Runden zog. Mein Magen erholte sich langsam aber sicher, die Rundenzeiten fielen und ich fing an zu rechnen.

Noch 11 Stunden und 45 Runden. Das könnte gehen wenn ich keine größeren Pausen mehr mache, also 11 Stunden am Stück durchlaufe. Ich wurde jetzt besessen von der Idee meinen Traum doch noch in die Tat umzusetzen. Mein Körper fühlte sich besser an und in mir stieg ein unbändiger Wille auf alles zu geben.

Die Rundenzeiten wurden wieder besser. Es wurde jetzt wie eine Art Meditation. Die Beine taten zwar weh aber das beeindruckte mich nicht im geringsten denn von Krämpfen war ich weit entfernt und nur das Zählte.

Jede zweite Runde setzte ich mich und aß von der Geheimwaffe. Sabine erzählte mir dass Norman nun auch Riegel und andere Dinge verdrückt. Aber das war mir alles egal ich wollte jetzt nur noch Salamibrot. Alle zwei Runden einige Bisse und ich fühlte mich gut dabei. Mein Magen vertrug es und ich war überzeugt von der positiven Wirkung auf meine Leistung.

 

Never give up!

Ich schaffte es jetzt meine Runden in 12 bis 13 Minuten zu absolvieren. Das bedeutet ich konnte alle halbe Stunde 3 Minuten pausieren, mich erholen, trinken und einen bissen Salamibrot essen.

Vier Runden pro Stunde!

Es wurde langsam hell und einige Zuschauer waren wieder an den Wendepunkten. Ich sprach gezielt einige sympathisch aussehende Zuschauer an und forderte sie auf mich doch jede Runde anzufeuern. Jetzt hatte ich die Strecke in Abschnitte eingeteilt. Unten einige Zuschauer die auf meiner Seite waren, am Wendepunkt ein Helfer vom THW, auf der Hälfte der Treppe ein weiterer THW Helfer der mich anfeuerte und natürlich oben meine Frau und das Salamibrötchen das puschte. Zwischen drin feuert mich Norman auf jeder Runde an. Diese kurzen Momente verkürzen und lenkten zu gleich ab von dem ewig weiten Weg welcher noch zurückzulegen war.

Kurt war auch wieder auf der Strecke und zog langsam aber stetig seine Runden. Norman hatte mittlerweile vier Runden Vorsprung auf mich und Kurt war eine Runde hinter mir.

Ich redete jetzt nur noch mit Sabine. Ansonsten setzte ich meine ganze Energie in diese Verfluchten Treppen. Ich versuchte mir die Reststrecke schön zu reden. Doch als ich dann die Höhenmeter auf den Jungfrau-Marathon umlegte erschrak ich kurz. Denn ich hatte noch das Doppelte zurückzulegen.

Jetzt wollte ich nur noch auf den Gipfel. Es ist schließlich der Everest und nicht die Kleine Scheidegg in der Schweiz. So kämpfte ich mich Runde um Runde meinem Ziel entgegen.

Irgendwann sagte Kurt es seien immer noch 8 Stunden. Immer noch, für mich waren es nur noch acht Stunden. Ganz schön wenig, aber ich war im Soll. 70 Runden waren absolviert also nur noch 30 Runden.

30 Runden bis zum Gipfelkreuz des Mt. Everest. Wenn ich die 100 Runden schaffe wird zur Belohnung auch mein Name auf dem Gipfelkreuz stehen.

Zwei Stunden später ging es langsam aber sicher Richtung Todeszone. Ich konnte immer noch die Treppen bergab laufen. Viele quälen sich regelrecht auf allen vieren die Stufen herunter. Hier konnte ich immer wieder Boden gut machen und vorbeilaufen. Bergauf schaue ich nur bis zur nächsten Stufe und schleppe mich Stück für Stück weiter. Meine Blicke schweiften schon lange nicht mehr in der Gegend umher. Es war als hätte ich eine Bleiweste an gehabt und einen Bollerwagen hinter mir hergezogen.

Noch 5 Stunden und 16 Runden bis zu Gipfel. Ich absolviere die Runden wie in Trance und wurde immer noch jede Runde von Norman angefeuert. Auch Kurt sprach mir nun jede Runde Mut zu. Er selbst konnte es nicht mehr auf den Gipfel schaffen. Aber sein persönlicher Erfolg war es, dass er nie aufgab und trotz aller Widrigkeiten weiter an sich glaubte und Stunde um Stunde seine Runden weiterzog. Das war ganz großer Sport!

Norman, Kurt, Bernie

Der Gipfel ist in Sichtweite.

Noch 10 Runden und ganze drei Stunden Zeit. Jetzt gab es nichts mehr was mich von diesem Triumph abhalten konnte. Ich konnte den Gipfel förmlich spüren. Ich erzähle jetzt jedem der es hören wollte, dass ich es schaffen würde. Mental war ich so stark wie nie zuvor.

Meine Knie und Gelenke waren in Ordnung. Die Muskeln schmerzten, aber wenn man bedenkt wie nahe man seinem Ziel gekommen war spielte das keine Rolle. Hier zählten nur noch die Momente bis zum härtesten Finish meines Lebens.

Die 98. Runde lief ich dann noch mal wie aufgezogen. Die 99. Runde lief Sabine mit, sie wollte einmal die ganze Strecke ablaufen.

Dann kam die 100. Runde. Sabine hängte mir die Gebetsfahnen aus Nepal um. Diese hatte ich im Vorfeld extra besorgt, damit sie uns heil und glücklich diesen Tag überstehen ließen. Ich bedankte mich bei den Helfern und Zuschauern. Mehrmals hielt ich noch einmal an und unterhielt mich mit einzelnen lieb gewonnen Menschen. Dann kam Kurt mir entgegen. Er hatte ebenfalls seine Gebetsfahnen umhängen und wollte nach dieser Runde aufhören. Wir gingen nun zum letzten mal gemeinsam die Stufen hoch.

Auf dem Weg nach oben hörte ich den Sprecher wie er meinen Namen sprach und die Zuschauer auffordert mir einen gebührenden Empfang zu bereiten.

Das Ende der Treppe nahte und der (virtuelle) Gipfel des Mt. Everest war erreicht. Nach 23 Stunden und 16 Minuten hatte ich als zwanzigster die 84 km und 8848 Höhenmeter zum Everest hoch und 8848 Höhenmeter wieder runter zurückgelegt.

So viele Emotionen hatte ich bis zum heutigen Tag noch nie an einem Stück erlebt. Es ist schade dass ich aus diesem Gefühlschaos wieder so schnell zurück in den Alltag musste.

Aber eines steht fest, dieses Erlebnis werde ich nie vergessen und jeder der hier sein Bestes gegeben hat ist ein Sieger. Dieser Satz findet besondere Anwendung auf meinen Freund Kurt, der 92 Runden bei einem der härtesten Rennen der Welt zurückgelegt hat.

Norman kam als Zehnter mit der hervorragenden Zeit von 21 Stunden und 14 Minuten ins Ziel.

Der Sieger Stefan Ungermann benötigte 15 Stunden und 32 Minuten. Renè belegte am Ende den zweiten Rang mit 16 Stunden und 21 Minuten.

Insgesamt schafften es 23 Männer und eine Frau zum Gipfel.

Resüme eines Gipfelstürmers

Was braucht man um den Mt. Everest Teppenlauf zu finishen:

Erstens Willenstärke, zweitens Willenstärke, drittes Willenstärke……………und viele viele Salamibrötchen

 

Bernie Conradt  beusa@web.de